Madeira - Winterzeitbeginn in T-Shirts

Geschrieben von Andreas.

Teilnehmer v.l.n.r.: Reiner, Dietmar, Andreas (Bericht), Franz, Martin (TO), Frank

Nach durchaus holpriger Anreise konnten 10 Tage fast durchgehend in Shorts und T-Shirt verbracht werden. Die interessante Insel (850 km westlich von Cassablanca 500 km nördlich von Teneriffa) sowie deren noch viel interessantere Startplätze wurden besichtigt und Landplätze verzweifelt gesucht.  

Donnerstag, 26.10.2017 Anreise
Der Letzte wird der Erste sein. Zumindest beim Fliegen. Na ja, nicht beim Gleitschirmfliegen, wobei das da ja auch öfter mal der Fall ist, wenn man spät startet und als erster landet. Hier aber war es beim Anflug auf die Insel. Gab es doch im Vorfeld etwas Unruhe, da der Exilschwabe (und Autor) aus geschäftlichen Gründen nicht ab Stuttgart flog, sondern ab Brüssel. Und das auch noch zu einer unmöglichen Zeit, so dass er erst spät abends eintreffen sollte und den Transfer vom Flughafen zur Airbase separat regeln musste. Und wer hätte da gedacht, dass er bei der Zwischenlandung, die auch schon über 1 Stunde verspätet war, kurzerhand im Laufschritt seinen „späten“ Flieger erreichte, während die Stuttgarter Truppe dort nach verpasstem Anschlussflug erst mal fest saß. Man kann das auch „unfair rechts überholen“ nennen, zumal sogar das Gepäck (Gleitschirm, nicht ganz unwesentlich für diese Tour) mit an Bord war. Unverständlich blieb natürlich, warum die Fliegenkollegen nicht mitfliegen durften, waren doch noch ca. 100 Plätze frei…. Und als auch in diesem Flieger die USB Steckdosen zum Aufladen des Handys ausser Betrieb waren, sich dafür dann aber eine reizende junge Dame aus Graz/ Wien oder so irgendwo (o.k. sie kam ja ursprünglich aus dem nördlichen Schwaben, sprich Öhringer Raum, weshalb man sich natürlich sofort gut verstanden hat) und selbstlos Ihren Akkupack mit mir geteilt hat, war auch die weitere Kommunikation innerhalb der Gruppe zumindest von dieser Seite aus gesichert. Und selbstverständlich habe ich die Einladung ins weiche Hotelbett ausgeschlagen, um auf einem harten Holzstuhl am Flughafen auf den Rest der Gruppe zu warten. So ist das mit der Fliegerkollegialität. Zumindest habe ich jetzt auch Zeit, schon mal den Tourbericht zu beginnen, bevor überhaupt die Tour beginnt.
Und tatsächlich, einige Flieger später, landen dann Alle und das auch noch planmäßig.
Nachdem dann nach Sonder-Nacht-Übernahme der Mietwagen mit leerem Tank auch tatsächlich eine Tankstelle, die nach Mitternacht noch geöffnet hatte, gefunden war, stand der Anreise zur Airbase Madeira 150 m vom Hausstart entfernt nichts mehr im Weg. Gegen 2 Uhr waren dann auch die Betten verteilt und belegt.

Freitag, 27.10.2017 Wind
Auch wenn schon klar war, dass heute zu viel Wind aus der falschen Richtung anstehen würde, wäre ein Tag ohne Verspätungen und ähnliche Unwägbarkeiten sehr angenehm gewesen. Wenn nicht die frühe Truppe, die aufgrund der knurrenden Mägen erst mal eine Versorgungsfahrt auf bis zu 32% steilen Straßen machte, auf dem Rückweg vom Supermarkt mitsamt Auto über ein „Steinchen" stolperte, woraufhin sich der Motor bedenklich aus dem Motorraum Richtung Fahrbahn neigte und zwar noch lief, aber den Kontakt zu den Antriebsrädern irgendwie verweigerte. Zum Glück hatten wir ein Zweitfahrzeug, mit dem dann eilends das Frühstück und die Einkäufer evakuiert werden konnten. Und wie das eben so ist, wenn Nachts bei Fahrzeugübernahme das Büro geschlossen hat und der Ausschluss der Selbstbeteiligung nicht abgeschlossen werden konnte, war zunächst die Problemansammlung wieder groß: Wer holt den Schrott von der Strasse, woher bekommen wir ein fahrtüchtiges Auto, wie werden die Kosten geregelt usw.. Zumal der Vermieter erst mal nicht erreichbar war und später ziemlich entsetzt war, da das Fahrzeug da definitiv nicht stehen bleiben konnte. Andererseits wollten wir auch nicht riskieren, dass sich die schon angegriffene Ölwanne bei dem Versuch, das Fahrzeug wegzubewegen, noch weiter öffnet und sich irgendwelche Schmierstoffe weiter ausbreiten.
Und plötzlich war das Undenkbare möglich: 6 Personen im Renault Clio, um Martin dann beim Pannenfahrzeug abzusetzen und auf den Vermieter zu warten, während die Anderen dann schon mal Start- und Landplätze besichtigten und die Taberna zwecks Landebier testete….. Ausserdem war genug Zeit um die Einkäufe für die abendliche Kochorgie zu besorgen….

Samstag, 28.10.2017
Nach ausgiebiger Startplatzbesichtigung in alle Himmelsrichtungen und perfekter Sicht auch Richtung Norden ohne Bewölkung gab es spätnachmittags am Hausstart die erste Gelegenheit zum Fliegen, die auch von 3 Piloten genutzt wurde, mit Flügen von 6 Minuten und der ersten Landung neben der Karaokebar A Taberna blieb nur Einer an der östlichen Nachbarwand zum Hausberg und meinte er müsse die Stunde u.a. mit einem Wettfliegen mit einem aggressiven Greifvogel vollmachen, eine gute Gelegenheit für ausgiebigen Biergenuss (0.33 l für 1.5 €).

Sonntag 29.10.2017
Ein guter Flugtag, nachdem am Spätvormittag die Bedingungen erst noch langsam besser wurden, gab es am Nachmittag eine gute Phase, wobei die maximale Höhe bei 600 m lag und ein Anschluss nach weiter oben nicht realisierbar war. Erst später wurde der Wind dann „merkwürdig“, so dass an weitere Starts nicht mehr zu denken war. Aber es waren alle geflogen und es war immer noch faszinierend, dass selbst abends zum Essen gehen die kurze Hose und T-Shirt vollkommen ausreichend waren.

Montag, 30.10.2017
Einfach nur Fliegen, wobei fast Allen die nicht triviale Toplandung mehrfach gelang, Begrenzung waren meist die Wolken auf 650 m (Startplatz 450 m), weitere Limitierungen gab es eigentlich nicht, also Spaß pur !!!

Dienstag 31.10.2017
Schon morgens deutlich spürbar die kältere Lauft, dafür zunächst klar und Wolkenlos, die Windräder allerdings doch eher schnell drehend aus Nord…., dann die Ansage: Wir wechseln erst mal zum Startplatz Cabo Girao, westlich der Aussichtsplattform, besonderes Highlight der Überflug der Aussichtsplattform über der Steilwand, manche flogen dort mehrfach, Andere wechselten nochmal zurück nach Calheta, was dann weniger erfolgreich war. Jedenfalls der 4. Flugtag in Serie…..

Mittwoch 01.11.2017
Vormittags eher unsichere Tagesprognose am Hausstart in Arco Calheta, deshalb Inselrundfahrt mit Besichtigung diverser haarsträubender Startplätze, vor allem in Ermangelung der zugehörigen Landeplätze, also Toplanden oder Baden????? Aber danach immer noch kein Fußweg aus diversen von Steilküste umschlossener Buchten, davon abgesehen, dass aus der Ferne weder die Neigung des „Strandes“ noch die Korngröße des „Sandes" erkennbar waren, aber tendenziell eher ab Fußballgröße aufwärts…….

Donnerstag, 02.11.2017
Nachdem vormittags die Bedingungen noch nicht ganz ausreichend waren, gelang am späteren Vormittag den ersten 4 noch ein ordentlicher Start, welcher dann nahtlos in eine rasche Landephase übergingen, da der übers Meer herannahende und an den Schaumkronen gut zu erkennende stärkere Wind das Fluggebiet erreichte und es plötzlich überall richtig hoch dafür aber z.T. nur noch rückwärts ging. Den verbleibenden zweien gelang kein Start mehr, da der Wind zwar in 10 m Höhe noch gut aussah, aber am Boden definitiv starker Rückenwind ein Aufziehen des Schirmes unmöglich machte. Deshalb war anschließend eine schöne Ausflugstour an die östliche Spitze der Insel angesagt.

Freitag 03.11.2017
Wie vorhergesehen war an Fliegen nicht wirklich zu denken, weshalb gleich ein längerer Ausflug nach Funchal und zum nördlichen von Funchal gelegenen Teil der Insel in Angriff genommen wurde, welcher dann in einer weiteren Einkaufs- und anschließenden Kochorgie in der Ferienwohnung mündete.

Samstag, 04.11.2017
War der Hammertag, zumindest so vorhergesagt, bei den meisten auch zutreffend, so daß maximale Höhen (bis zu 1.200 m, man will ja mal testen, wann der überregionale und an den vom SW-Startplatz aus sichtbaren 180-Grad falsch drehenden Windrädern mehr als gut erkennbaren Nordostwind doch mal zu spüren ist) und Strecken geflogen wurden, die bei manchen wegen erhöhter Luftfeuchtigkeit dann nicht ganz freiwillig beendet wurden.

Sonntag, 05.11.2017
Der Glaube kann……… manchmal Berge versetzen, der Wind in Calheta lässt sich aber auch von versetzen Bergen nicht unbedingt beeinflussen, weshalb nur einer von 6 Personen daran glaubte, dass es noch fliegbar würde. Die Anderen 5 machten schon gleich einen Tagesausflug an die schöne Küste und Küstenörtchen um dann zum Landebier am Landeplatz mit dem Auto einzutreffen.

Montag 06.11.2017 gelungene, relaxte Rückreise
Abflugzeiten am Nachmittag erlaubten ein letztes Ausschlafen und ausgiebiges Frühstücken. Dann Packen, Wohnung säubern/übergeben und die letzte Fahrt den z.T. wirkich sehr steilen Hausberg hinunter sowie dann durch die unzähligen Tunnels Richtung Funchal bzw. weiter zum Flughafen. Abgabe der Mietwagen außerhalb des Flugplatzes, einchecken, Starts und Landungen bei ordentlichem Wind bis 50 km/h bewundern, Landen in Lissabon, planmäßiger Weiterflug nach STU sowie  S-Bahn-taugliche Landezeit sowie ungewöhnlich schnelles Erscheinen der Packsäcke ... und schon war der Übergang in die Winterzeit erledigt.

Fazit: Nimmt man die im Vergleich zu Südspanien oder den Kanaren merklich höheren Kosten für Mietwagen und Unterkunft sowie leider oft auch Flügen in Kauf, ist Madeira definitiv eine Alternative für den Saisonausklang. Den Wetterkapriolen kann man zwar auch dort nicht 100% garantiert entfliehen, der typische NO-Passat wehte nur an 3 der 10 Tage, aber Temperaturen und duchaus häufige Flugmöglichkeiten  sowie die steile grüne Insel sind gute Gründe für einen erneuten Besuch evtl. in 2 Jahren.


Bilder gibts hier oder siehe Album 2017.