Annecy 2019 - 36 Grad, aber zu stabil

Geschrieben von Martin.

Teilnehmer v.l.n.r.: Reiner, Martin (TO), Sebastian, Antonio, Uwe, Mathias nicht auf dem Bild Liane

Der für die Fahrt genommene Brücken-Freitag erwies sich als gute Wahl, im Gegensatz zum "Happy-Kadaver"-Feiertag, keinerlei Staus, freie Fahrt. Wir waren schon vor 14 Uhr auf dem bekannten guten Camping Nublière am südlichen Seeende bei Doussard.

Dort wurde seit Anfang 2018 kräftigst umgestaltet. Neuer Eingangsbereich, neue noble Mobilhomes, Wegfall der grün-gelben Pagans (die Holidéoles, Plastikwände, LKW-Plane als Dach, waren schon 2018 komplett verschwunden), kaum mehr Gras, dafür Schotter und Rindenmulch, fast alle Bäume massivst gestutzt, ne Menge jeweils in 4-er Gruppen angeordnete "Lodges" als unterste Fest-Unterkunfts-Kategorie.
Unsere Lodge (Kosten (58 €/Nacht) war brandneu. Viel Platz, 3 Schlafbereiche mit insgesamt 7 Betten, 4 davon in Form von Stockbetten.  5 Personen können da bequem nächtigen. "Echtes" Bad und separates vernünftiges WC (keine Plastiknasszelle wie früher), Vorratsraum, Holzfussboden, gut ausgestattete Küche, große Terrasse mit Platz für bis zu 8 Personen. Es fehlte eigentlich nur eine Klimaanlage cool

Es waren schon Wolken zu sehen, aber es sah noch fliegbar aus. Daher fuhren die Frühankömmlinge "natürlich" mit Schirmen zum Startplatz Planfait. Es gab erste Stundenflüge. Beim Weg zum Auto kamen die ersten Tropfen. Auch in der Nacht regnete es ordentlich. Das war es dann aber mit Regen für die gesamte Tour.

Am Samstag gleich frech rauf zum Südost-Mini-Schneisenstart Entrevernes. Dort kamen alle weit über die Kante (900 m), z.T. bis >1.500 m. Der TO hatte sich mit dem Fast-Local Ulli Prinz abgestimmt und wollte unbedingt mal versuchen, in der Nähe des Autos topzulanden. Mit Anflug von der hinteren Roc des Boeufs Kante aus klappte das erstaunlich ruhig bzw. gut. Danach nochmal zum Planfait, wo dann 3 Teilnehmern - schon recht mühsam - das Hochdrehen zu den "Zähnen" (Dents de Lanfon) gelang.

Alles bestens, so darf es gerne weitergehen .... dachten wir.  Pustekuchen. Ab dem Montag dann Bullenhitze mit Tiefsttemperaturen über 20 Grad, was für den einen oder anderen aber angeblich trotzdem den Griff zum Zusatzschlafsack zwingend nötig machte tongue-out. Leider schon von Anfang an komplett stabil. Am Start waren es auch über 30 Grad. Kein Lüftchen ging, der See war fast platt wie sonst nur frühmorgens. Fliegen konnte man zwar, aber das Erreichen oder gar Überbieten der 15-Minuten-Grenze gelang nur selten. Dienstags ein Flug am Col de l'Epin / Marlens, später ein 8 Minuten Abgleiter vom Forclaz. Immerhin wurde nachgewiesen, dass 5 Packsäcke, darunter nur eines mit Wendegurtzeug, in einen Ford Focus Turnier hinten rein passen!

Am Mittwoch wichen wir nach Grand Bornand aus, dort ist der Startplatz auf 2.100 m, die Bahn fuhr für die Flieger vor der Hauptsaison auch schon unter der Woche. Und es ging ab 13 Uhr dort auch richtig gut - bis auf 3.100 m (!) - hoch. Am Donnerstag dann der Versuch mit dem Mont Lambert zwischen Albertville und Chambéry. Zumindest gibt es dort einen schönen Badesee neben dem Landeplatz. Weite Rückfahrt über Le Revard bei Chambéry und den Semnoz mit sehenswerten Ausblicken auf unsere Annecy-Hausklötze Tournette, Lafonette, Dents de Lanfon, Veyrier-Kante und Parmelan-Kette. Aber leider mit zu seitlichem Nord- bis NO-Wind.

Am Freitag nochmal rauf auf den Lachet, den Berg bei Grand Bornand. Es waren 20 km/h NO auf 2.000 m angesagt. Und die Vorhersage sollte recht behalten. Schon der Start zur falschen (Rück-)Seite des Berges war nicht jedermanns Sache. In der Luft ging es dann an vielen Stellen - unvorhersehbar - rauf oder runter. Dazu Spitzen-Groundspeeds von über 70 km/h und im Tal auch noch eine Konvergenz von (süd-)westlichem Talwind und überregionalem Nordost. Erlebnisreiche Flüge mit fantastischer Sicht auf Aravis-Kette und Mont Blanc Massiv. Aber alle waren heilfroh, den beinahe föhnartigen Bedingungen unverletzt eine Landung abgerungen gehabt zu haben. Danach auf dem Rückweg noch rauf zum Forclaz. Der 130 hm Aufstieg vom Pass zum Start bei weit über 30 Grad schreckte kaum einen ab. Man glaubt es kaum, der letzte Spätnachmittagsflug entwickelte sich zum fast normalen Annecy Standardflug. Hoch über die Hauskante, rüber zum Mittelfelsen Lafonette, zwei sind sogar weiter zu den "Zähnen" gekommen. Nur zur Seequerung zur Aufzugskante Roc des Boeufs reichte es nicht.
 
Die langen Abende wurden für Selberkochen oder Essengehen genutzt. Auch ein Grillversuch fand statt. Allerdings übertrug sich der Geschmack der Anzündefolie irgendwie aufs Grillgut. Nächstes Mal doch lieber Pfanne/Herd.

Die Heimfahrt klappte auch wieder staufrei. Zum Glück machte die Klimaanlage im Auto nicht schlapp. Es waren weiterhin um die 36 Grad ... oder noch heißer (siehe das gleichnamige Lied von 2Raumwohnung)
36 Grad - und es wird noch heißer,
mach den Beat nie wieder leiser.
36 Grad - kein Ventilator,
das leben kommt mir gar nicht hart vor ...


Bilder gibts hier oder siehe Album 2019.