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Was man über das Gleitschirmfliegen wissen sollte...

- eine kurze Einführung für Fußgänger -

Das Gleitschirmfliegen wurde 1985 in Frankreich entwickelt, wo Fallschirmspringer mit ihren Matratzenfallschirmen erfolgreich den Fußstart vom Berg probierten. Damit startete die rasante Entwicklung einer neuen Sportart, verbunden mit einer großen Leistungssteigerung der Fluggeräte.


Die Ausrüstung setzt sich im wesentlichen aus Gleitsegel (=Gleitschirm =Paragleiter), Gurtzeug, Rettungsgerät (Rundkappenfallschirm), Helm, festen Stiefeln, Handschuhen und ausreichend warmer Kleidung zusammen. Ein Gleitsegel besteht aus der 24 bis 30m² großen Kappe aus speziellem Nylon- oder Polyestertuch (luftdicht und reißfest) mit meist elliptischem Grundriß, ca. 400m Fangleinen aus Dyneema oder Kevlar und den Tragegurten.


Über die Steuerleinen kann man rechts und links die Hinterkanten des Flügels herunterziehen und damit eine Kurve einleiten. Die Fluggeschwindigkeit wird sowohl über die gleichsinnige Betätigung der Bremsleinen als auch durch den Einsatz von sogenannten "Speedsystemen" beeinflußt, bei denen - meist über Beinstreckerseile und Umlenkrollen - die einzelnen Tragegurtebenen so eingestellt werden, daß ein widerstandsärmeres Profil und ein flacherer Anstellwinkel entstehen.

Beim Gleitschirmfliegen gibt es mehrere Spielarten. Man kann sich von einer Seilbahn auf den Berg bringen lassen oder mit dem Schirm auf einen "unerschlossenen" Berg hinaufwandern. Ein gemütlicher Gleitflug ins Tal ist dann genauso möglich wie ein anspruchsvoller, oft stundenlanger Thermikflug.

Animation: Rückwärtsstart eines Gleitschirms


Gestartet wird von einer geneigten Wiese gegen den Wind. Im Flachland läßt man sich wie ein Segelflieger von einer Seilwinde hochziehen oder ein Rucksackmotor mit Propellerantrieb sorgt für den nötigen Schub.

Um ohne Motorhilfe längere Zeit oben zu bleiben, muß man aufsteigende Luft suchen. Zum Einen ist dies der Hangaufwind, der entsteht, wenn Wind durch ein Hindernis nach oben abgelenkt wird, zum Anderen thermischer Aufwind, der entsteht, wenn Sonneneinstrahlung die Luft am Boden erwärmt, die dadurch leichter wird und dann als Thermikblase oder -schlauch nach oben steigt. Gute Piloten können mit diesen Aufwinden im Alpenraum bis zu 4000 Meter über Meereshöhe erreichen und Distanzen von weit über 100km fliegen (Der Rekord liegt bei über 300km). Gleitschirmfliegen ist auch ein Wettkampfsport. In regionalen Wettkämpfen über nationale Ligen bis zu Weltmeisterschaften messen sich die Besten.

Die Ausbildung beginnt mit dem einwöchigen Grundkurs zum L-Schein, mit Start- und Landetechnik, Flugplanung, Gerätekunde, Wetterkunde. Dabei wird mit Starts von einer leicht geneigten Wiese begonnen und die Höhendifferenz langsam bis auf 500 Höhenmeter gesteigert. Mit dem L-Schein ist Fliegen nur unter Aufsicht eines Fluglehrers erlaubt.

Nach 40 Höhenflügen unter Aufsicht eines Fluglehrers und einer weiteren Schulungswoche erwirbt man den beschränkten Luftfahrerschein (A-Schein) und damit die Berechtigung zu selbständigen Flügen in einem Fluggebiet.

Der unbeschränkte Luftfahrerschein (B-Schein) berechtigt zu Überlandflügen und wird nach 10 Höhenflügen von mindestens einer halben Stunde, einer umfangreichen theoretischen und praktischen Fortbildung sowie einer Prüfung durch den Deutschen Hängegleiterverband (DHV) erteilt. Seit neuestem kann man im Rahmen des Harmonisierungsabkommens zwischen Deutschland und Österreich den B-Schein auch erwerben, indem man einen Streckenflug über 10km fliegt.


In Sicherheitstrainings können über einem See und unter fachkundiger Anleitung Extremsituationen erflogen und die richtigen Reaktionen eingeübt werden. Bei einer Wasserlandung ist dann sofort ein Rettungsboot zur Stelle.

Verschiedene Anbieter geben einem mit einer Vielzahl von praktischen und theoretischen Seminarangeboten Gelegenheit, sein Können und Wissen zu vertiefen, um das eigene Fliegen sicherer und erfolgreicher zu machen.